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Fußmarsch im Wasser-Tunnel: Der Siloam-Tunnel in Jerusalem - 5 Tipps

Veröffentlicht am 27.04.2020

Zugang zum Siloam-Tunnel in Jerusalem. Ein detaillierter Bericht erwartet Sie in der Juli-Ausgabe unseres Print-Magazins. (Foto: Noam Chen, Ministry of Tourism)Zugang zum Siloam-Tunnel in Jerusalem. Ein detaillierter Bericht erwartet Sie in der Juli-Ausgabe unseres Print-Magazins. (Foto: Noam Chen, Ministry of Tourism)Jerusalem ist wunderschön - auch "down under". Es lohnt sich, die faszinierende Unterwelt der Heiligen Stadt zu besichtigen, zum Beispiel den  Siloam-Tunnel, auch Hiskija-Tunnel genannt. Wo Sie den Siloam-Tunnel finden - und 5 Tipps für den Marsch durch das antike unterirdische Frischwasser-Kanalsystem der Davidstadt.

Übrigens: Eine noch detailliertere Beschreibung und mehr Fotos finden Sie in der Juli-Ausgabe des ISRAEL Reisemagazins.

Der Siloam-Tunnel: Jerusalems antike Frischwasserversorgung 

Es geht abwärts. Und das ziemlich steil und ziemlich tief. Eine lange, gerade Treppe mit Stufen aus Eisengittern, die den Blick in die Tiefe ungehindert zulassen, führt unter die Erde zur antiken unterirdischen Wasserversorgung Jerusalems, zum Siloam-Kanal.

Siloam-Tunnel oder Hiskija-Tunnel? Beides stimmt 

Der schmale Weg führt weit zurück in die Vergangenheit. Ein Bericht über die Hintergründe und die Baumeister des Siloam-Tunnels findet sich in der Bibel gleich an mehreren Stellen, beispielsweise im 2. Könige 20,20. Das ausgeklügelte Bauwerk entstand demnach während der Regierungszeit von König Hiskija, weshalb der Siloam-Tunnel auch als Hiskija-Tunnel bezeichnet wird.

Hiskija baute den Siloam-Tunnel vor mehr als 2.500 Jahren

Hiskija regierte zwischen 727 und 698 vor unserer Zeitrechnung. Jerusalem war damals vom kampferprobten assyrischen Heer bedroht, das bereits Samaria erobert hatte, die damalige Hauptstadt im Nordreichs Israel. König Hiskija, der Herrscher des Südreichs, hatte laut biblischen Berichten den Untergang Samarias selbst miterlebt – und aus den Fehlern dort gelernt: Er ließ Jerusalem neu ummauern und ordnete gleichzeitig den Bau einer unterirdischen Wasserleitung an, um damit die Frischwasserzufuhr der Stadt zu sichern - den Siloam-Tunnel. Blick in den Siloam-Tunnel: Das erwartet die Besucher - nichts für Menschen mit Raumangst. (Foto: Daniel Wong)Blick in den Siloam-Tunnel: Das erwartet die Besucher - nichts für Menschen mit Raumangst. (Foto: Daniel Wong)

530 Meter langer, begehbarer Wasserkanal

Der Bau dieses 530 Meter langen, begehbaren Wasserkanals ist nicht nur nach damaligen Verhältnissen eine Meisterleistung. Der Siloam-Tunnel führte bestes Quellwasser in die Stadt, in den Teich von Siloah, täglich rund 50.000 Liter.

Im Jahr 701 vor unserer Zeitrechnung kam es schließlich zum befürchteten Angriff auf die Davidstadt. Die verstärkten Mauern hielten allerdings dem Ansturm stand, also konnten die Assyrer die Hauptstadt Israels lediglich belagern. Doch auch der Siloam-Tunnel war bereits aktiv und die Versorgung mit lebensnotwendigem Trinkwasser für die Stadt gesichert.

Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen die biblischen Berichte zum Bau des Siloam-Tunnels. Außerdem belegen Radiokarbon-Untersuchungen israelischer und britischer Forscher die Zeitangaben der Bibel.

Fußmarsch im unterirdischen Siloam-Tunnel

Je tiefer man in den Berg hineingeht und sich dem Siloam-Tunnel nähert, desto stiller wird es. Mit etwas Glück ist man sogar völlig allein unterwegs, denn erstaunlich wenige Touristen investieren Zeit für diese Tour. Die meisten Besucher bummeln nur ein wenig zwischen den Schautafeln, Vitrinen und Artefakten, die im oberirdischen Teil des Davidstadt-Museums zu sehen sind, und klettern dann wieder in einen der vielen Touristenbusse, um bekanntere biblische Orte anzusteuern. Viele der Kurzbesucher ahnen nicht einmal, was es da einige Meter unter ihren Füßen zu entdecken gibt. Allerdings ist der Zugang zum Siloam-Tunnel auch teilweise nur auf Hebräisch ausgeschildert. Man muss als Besucher also wissen, dass es den Siloam-Tunnel gibt, um ihn zu finden.

Ursprung an der Gihonquelle 

Am Eingang zum Siloam-Tunnel strömt Wasser als kleiner Bach aus dem Felsen. Es kommt aus der Gihonquelle, die in einer Grotte am Fuße des Osthangs der Davidsstadt im Kidrontal entspringt und als einzige Quelle Jerusalems das ganze Jahr über Wasser spendet.

In diesem kleinen Bach im Siloam-Tunnel geht der Weg weiter. Hier endet allerdings die Scheinwerfer-Beleuchtung. Wer dem Siloam-Tunnel folgen will, muss eine Taschenlampe dabeihaben. 

55 Zentimeter breit und 1,50 Meter hoch

Das Wasser im Siloam-Tunnel ist angenehm kühl und reicht an breiteren Stellen im kurvigen Kanal bis zu den Knien, an Engpässen aber auch bis zu den Oberschenkeln. Und es gibt viele Engstellen im Siloam-Tunnel. Manchmal rücken die Felswände so dicht heran, dass man sich zwischen ihnen hindurchschlängeln muss. Nur 55 Zentimeter liegen die Felswände an den schmalsten Passagen auseinander. Oft rückt auch die Decke des Siloam-Tunnels sehr nahe heran und es gilt, den Kopf einzuziehen, will man sich keine Beule holen. 1,50 Meter hoch ist der Siloam-Tunnel an der niedrigsten Passage.

Der Bau des Siloam-Tunnels 

Etwa im Jahr 1880 fand man an der Tunnelwand eine Inschrift, die ebenfalls auf die Zeit von Hiskija hinweist und von der letzten Tunnelbauphase berichtet. Aus der Inschrift geht hervor, dass zwei Bautrupps damals den Siloam-Tunnel von beiden Seiten gleichzeitig ausgruben – und dann zielgenau in der Mitte zusammentrafen! Ein ingenieurstechnisches Husarenstück, das getrost als Wunder betrachtet werden kann angesichts der damals zur Verfügung stehenden primitiven Werkzeuge und Messinstrumente. Zumal sich der Siloam-Tunnel mit vielen Windungen durch den Ophel-Berg schlängelt, weil sich die Erbauer offenbar auch von der Beschaffenheit des Felsmassives leiten lassen mussten. 

Die Strömung im Siloam-Tunnel ist sehr moderat. Das Gefälle beträgt auf der gesamten Strecke insgesamt nur zwei Meter. Rund 20 Minuten dauert die Wanderung durch das Wasser. Dann wird es hell und heller, der Ausgang des Siloam-Tunnels ist erreicht. Die Tour endet im kleinen Siloah-Teich. 

So finden Sie den Siloam-Tunnel 

  • Nächstgelegene Parkplätze: Givati und Mount Zion.
  • Nächstgelegene Busstation: Egged Buslinien 1, 38, 99

5 Tipps für den Besuch im Siloam-Tunnel

  1. Tickets: Sie können die Tour ohne Führung machen. Tickets können direkt am Eingang gekauft werden, Vorbestellung ist in der Regel nicht notwendig.
  2. Taschenlampen: Am Ticketschalter gibt es kleine, günstige Taschenlampen. Nehmen Sie mindestens zwei Taschenlampen mit, am besten aber eine Taschenlampe pro Teilnehmer.  
  3. Badeschuhe: Ziehen Sie unempfindliche Kleidung an. Wer Wasser-empfindliche Schuhe hat, sollte geschlossene Badeschuhe mitnehmen. Gummistiefel sind nicht nützlich, da das Wasser an manchen Stellen bis zu den Oberschenkeln reicht. Es ist nicht empfehlenswert, die Tour barfuß zu gehen.
  4. Handys: Denken Sie daran, Ihr Handy aus der Hosentasche zu nehmen und wassersicher bzw. im Brustbereich zu verstauen.
  5. Eignung: Der Tunnel ist für Kinder sehr gut geeignet, nicht jedoch für Menschen mit Klaustrophobie!

Siloam-Tunnel: Öffnungszeiten

April bis September von 8 bis 19 Uhr, freitags und am Vorabend von Feiertagen nur bis 15 Uhr. Oktober bis März von 8 bis 17 Uhr, freitags und am Vorabend von Feiertagen nur bis 13 Uhr.

Achtung: Letzter Einlass in den Siloam-Tunnel zwei Stunden vor der Schließung!

Bitte informieren Sie sich über evtl. aktuelle Änderungen hinsichtlich Preise und Öffnungszeiten.